Schneidhain - Königstein : Frühe Eingemeindungspläne

von Beate Großmann-Hofmann

 

Zum 1. April 1972 schloß sich Schneidhain freiwillig der Stadt Königstein an und ist seitdem ein Stadtteil Königsteins mit reichem Eigenleben.

 

Im Stadtarchiv Königstein befindet sich jedoch eine Akte, die uns bereits von Eingemeidungsplänen zu Beginn dieses Jahrhunderts erzählt. Als erstes befindet sich in diesem Aktenvorgang ein Schreiben des damaligen Bürgermeisters Johann Weck an den König­steiner Magistrat, in dem er nach den Bedingungen für die Vereinigung Schneidhains mit Königstein fragte und dabei nicht vergaß hinzuzufügen, daß die Gemeinde Schneidhain nur 13 000 Mark Schulden, dagegen aber wertvolle Baumanlagen und schön gelegenes Bauter­rain vorweisen könne. Auf diesem Schreiben vom 17. Februar 1903 vermerkte der König­steiner Bürgermeister Josef Sittig zwei Tage später handschriftlich, daß die Gemeindever­tretung Königstein sich vorerst nicht zur Eingemeindung entschließen könne.

 

Fünf Jahre später, im Februar 1908, wandte sich der Nachfolger Sittigs, Bürgermeister Anton Jacobs, erneut in dieser Angelegenheit an den Schneidhainer Bürgermeister. Dieser hieß mittlerweile Lorenz Malter. Am 19. März 1908 schrieb Bürgermeister Malter seinem Königsteiner Kollegen :“In Bezug der Eingemeindung teile ich mit, bei der am 15. des Monats stattgefundenen Bürgerversammlung wurde die Eingemeindung angenommen . Zur näheren Unterhandlung wurde bestimmt: Bürgermeister Malter, 1. Schöffe Philipp Gregori, Wilhelm Mühl, Wilhelm Buckpesch Gemeindevertreter.“ Ende März 1908 bildeten die Königsteiner eine gemischte Kommission „ zur Prüfung der Angelegenheit“. Dieser Kommission gehörten von der Stadtverordnetenversammlung Direktor Borkenhagen, Friedrich Bender, Dr. Kohnstamm und Jakob Marnet an. Vom Magistrat waren Bürgermei­ster Jacobs und Ludwig Brühl vertreten.

 

Über die Arbeit der Kommissionen erfahren wir leider aus der Akte sehr wenig, lediglich, daß für den 19. November 1908 eine gemeinsame Sitzung im Königsteiner Rathaus anberaumt wurde. Hier sollten die gegenseitigen Bedingungen behandelt werden. Bürger­meister Malter forderte für seine Schneidhainer die gleichen Rechte, betonte aber auch, daß die Schneidhainer die gleichen Lasten wie die Königsteiner tragen wollten. Die Königstei­ner Kommission wurde beauftragt, einen Entwurf für einen Eingemeindungsvertrag auszuarbeiten, der anschließend der Schneidhainer Kommission vorgelegt werden sollte. In dieser Angelegenheit ließ Bürgermeister Jacobs sodann an andere Städte und Gemeinden schreiben, die „Eingemeindungserfahrungen“ aufweisen konnten. Weiteres ist jedoch nicht bekannt.

 

In den Akten finden wir dann den handschriftlichen Vermerk von Bürgermeister Jacobs vom 5. Juli 1910 :“Von der weiteren Behandlung der Eingemeindungsfrage wird vorläufig abgesehen.“ Ende 1910 wurden die Verhandlungen jedoch erneut aufgenommen. Es liegt uns hierzu ein reger Briefwechsel vor, an dem auch ein vehement für die Eingemeindung Schneidhains nach Königstein eintretender Schneidhainer Bürger namens Julius Tilly beteiligt war. Die Schneidhainer waren allerdings mit dem vorgeschlagenen Eingemein­dungsvertrag in einigen Punkten nicht einverstanden : Sie forderten zum Beispiel nach wie vor einen eigenen Rechner, eine Anpassung der Polizeiverordnung an ihre (ländlichen) Verhältnisse, die Übernahme von 1/3 der Gebühren durch die Gemeinde für das Halten und Stellen der Bullen und des Ziegenbocks und außerdem das Bestehenbleiben der Gebäude- und Grundsteuer in Schneidhain nach dem „jetzigen Tage“.

 

Eine Einigung über die strittigen Punkte konnte nicht erzielt werden. Bürgermeister Malter teilte in einem Schreiben vom 6. Mai 1911 seinem Königsteiner Kollegen den Beschluß der Gemeindevertretung Schneidhain mit, wonach die Verhandlungen abzubrechen seien „indem die Stadtgemeinde Königstein den Forderungen der Gemeinde Schneidhain nicht nachkommt.“

 

Vierzehn Jahre später, 1925, wurde erneut über die Eingemeindung Schneidhains diskutiert und wieder lehnten die Schneidhainer sie ab, „weil durch die Eingemeindung keine wesentlichen Vorteile für unsere Gemeinde erzielt werden können, höchstens noch mehr Abgaben und Lasten.“

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Der vorstehende Beitrag wurde zusammengestellt nach den Archivakten B 87 und C N1164.

Wer kann dem Stadtarchiv Angaben über den oben erwähnten Julius Tilly machen? Er lebte in einer Villa namens „Louisenruh“.