Ein Rückblick auf die Schneidhainer Kerb in den letzten 20 Jahren

von Stadtarchivarin Beate Großmann-Hofmann

 

Die Kerb oder auch Kirmes war ursprünglich das Kirchweihfest. Dieses kirchliche Fest, an dem an die Einweihung der Kirche gedacht wurde, war zugleich Volks- und Familienfest. Es stellte im Jahresablauf einer Stadt oder eines Dorfes den Höhepunkt dar. Zuvor wurden die Häuser geputzt und die Familien erwarteten oftmals Verwandtenbesuch von außerhalb.

 

Im Laufe der Zeit verlor dieses Fest an Bedeutung und nur der Gottesdienst erinnert noch an den alten Sinn. In vielen Ortschaften gibt es keine Kirmes mehr, andere dagegen pflegen seit einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder verstärkt diesen Brauch.

 

Die aus der Taunus-Zeitung (24. Juni 1908) wiedergegebenen Anzeigen vermitteln einen Eindruck der Schneidhainer Kirchweih aus dem Jahre 1908. Die Tanzbelustigung kam dabei nicht zu kurz. Der Kerbetanz, die Kerbeburschen und der Kerbebaum sind die Begriffe, die jeder mit der Kerb verbindet.

Nachfolgend wollen wir einen Blick auf die Kerb in Schneidhain während der letzten 20 Jahre werfen:

 

Die Schneidhainer Kerb wird traditionsgemäß Ende Juni gefeiert. Entweder am Johannistag, dem 24.06. oder das Wochenende darauf.

 

 

 

1978 trat aber ein anderes als großer Konkurrent auf, - die Fußballweltmeisterschaft - die ebenfalls in diese Zeit fiel. Am Freitag, den 23. Juni 1978 fand die Tanzveranstaltung statt, der Kerbebaum wurde am 24. Juni 1978 aufgerichtet.

 

Die Schneidhainer Vereine sind stets engagiert, So übernahm die SG Fußball im Jahr 1980 die Halle zum Tanz, der Vereinsring hingegen den Pavillon auf dem Kirmesplatz und den Frühschoppen.

 

Im Vorfeld der Kerb 1981 wurde in der Sitzung des Vereinsringes alles genau geregelt: „Die mit dem Holen des Kerbebaums und dessen Aufstellen verbundenen Arbeiten übernehmen die Kerbeborsch. Der Baum muß spätestens um 14.00 Uhr eingeholt sein, darf aber erst um 15.00 Uhr aufgestellt werden. Der Umzug am Sonntag, den 28.06., ist Angelegenheit der Kerbeborsch.“

 

Nicht ganz ohne Probleme scheint die Kerb 1982 verlaufen zu sein. In einer Nachbesprechung wurde bemängelt, daß die Veröffentlichungen durch den Vereinsring nicht mit den Ankündigungen der Kerbeburschen übereinstimmten. Außerdem seien unverhältnismäßig viele Getränkegläser zerschlagen worden, so daß künftig 100 Gläser an die Kerbeburschen ausgehändigt werden sollten, die anschließend mit dem Vereinsring abzurechnen hätten.

 

1983, so hieß es, habe der Vergnügungspark vor der Halle zu wenig geboten, so daß die Verpflichtung von weiteren Schaustellern diskutiert wurde. Der Hinweis im Protokoll, daß die Kerbeburschen erklärt hätten, weiter zu machen, läßt auf „Nachwuchsprobleme“ schließen.

 

Knapp 2 Wochen vor der Kerb 1984 war noch nicht geklärt, ob es überhaupt genügend Kerbeburschen gäbe. Schließlich hatten sich doch genügend Burschen zusammengefunden, so daß der Umzug stattfinden konnte. Ein Kerbetanz fand jedoch nicht statt.

 

1985 gab es keine Kerbeburschen. Ebenso fehlte es an den Festtagen an einer Bedienung im Pavillon. Mit Erfolg wurde jedoch zu ersten Mal ein Kinderfest mit Luftballonwettfliegen durchgeführt.

 

 

In seiner Sitzung am 7. April 1989 beschloß der Vereinsring, daß „in diesem Jahr wieder versucht werden soll, Kerbeburschen zu werben. In den Jahren davor hatte es keine Kerbeburschen mehr gegeben.

 

 

 

 

Der ökumenische Gottesdienst in Schneidhain gehört zur Kerb. 1990 wurde eine Beteiligung der Kerbeburschen an der ökumenischen Feier für „nicht sinnvoll“ angesehen. Nach der Kirche am Sonntag fand der Umzug statt; nachmittags gab es wieder für die Kleinen das Kinderfest.

 

Die Schneidhainer Kerb hat sich bestens in das Leben des Ortsteiles integriert, keiner möchte sie missen.

 

Seit 1992 haben die Kerbeburschen eine neue Fahne. Sie werden mittlerweile durch einige junge Mädchen verstärkt, so daß sich das Problem einer ausreichenden Anzahl von Kerbeburschen nicht mehr stellt.

 

Jedes Jahr erfordert die Kerb große Vorbereitungen, sie verdankt ihren Ablauf zahlreichen Helfern. Sie alle werden belohnt - denn jedes Jahr ist die Kerb „die schönste, die wir je hatten!“